Kommentar: Die Evolution der digitalen Gesellschaft

Gustav Seibt schreibt heute (30. Januar) im Feuilleton der Süddeutschen Zeitung einen Artikel über den neuen Tablet von Apple. Dabei geht er aber nur sehr sporadisch auf die Eigenheiten des iPads ein. Viel mehr beschäftigt er sich mit der Frage, wie die digitale Gesellschaft tickt. Mit verbaler Konformität, ganz im Stile der Süddeutschen, sehnt er sich zurück an die gute alte Zeit, in der Bücher noch etwas wert waren und die Menschen sich die Zeit nahmen sie “mit Verstand” zu lesen. Aber warum sehnt er sich danach? Sind die Digital Natives nicht intellektuell genug? Macht es einen Unterschied Platon als handgeschriebenes Buch zu lesen, oder digital als eBook?

Nein. Auch die mobile und vor allen digitale Gesellschaft bewegt sich (teilweise) auf intellektuel hochwertigem Niveau. Beispiele dafür gibt es genug, sie heissen Malte Welding oder Johnny Häusler. Gustav Seibt reduziert unser Leben in Zahlen, dass wir 40 000 Youtube-Videos schauen oder 400 000 Blogs lesen könnten in unserem Leben oder aber auch 4000 Bücher aus einer gut sortierten Bibliothek.

Natürlich könnten wir. Wir wollen es aber nicht. Wir wollen schnelle Informationen und schnelles Wissen, zu jeder Zeit, an jedem Ort der Welt abrufen. Wir wollen über die Social Media Schnittstellen mit verschiedenen Menschen in Kontakt sein. Warum? Um mehr über die Welt zu erfahren, mehr über verschiedene Kulturen zu lernen. Separation ist da Fehl am Platz. Die Welt rückt mehr und mehr zusammen. Kulturen verschmelzen und drücken sich in evolutionären Ergüssen aus. Die digitale Revolution, ist der logische Schritt zu einer Gesellschaft, in der es völlig egal ist, wer du bist und was du machst. Du bist einfach nur du.

Genau wie die erweiterte Theorie Darwins entwickelt sich auch die Menschheit, stößt nicht mehr Gebrauchtes ab und bringt neue Dinge hervor, die uns das Leben erleichtern. In meinen Augen ist es ein Fehler den alten Zeiten nachzutrauern. Vergangenes ist vergangen und wird auch nicht wieder kommen, gleich wie sehr wir es uns wünschen. Uns bleibt nur eins. Mit offenen Augen durch die Welt ziehen, neue Chancen entdecken und die gegebenen Möglichkeiten zu nutzen. Wir verändern die Welt, jeden Tag.

Wer weiß, vielleicht werden wir in 400 Jahren in den Geschichtsbüchern stehen, wie Luther, als er eine Revolution im Glauben auslöste. Nur unsere Revolution beginnt nicht mit einem Anschlag am Kirchentor. Unsere Revolution beginnt hier und jetzt, mit jedem Bit und Byte, was wir der digitalen Welt schenken, gleich ob über Blogs, Foren, Twitter oder Facebook.

–Thomas

31. Januar 2010 • geschrieben in: Scheiterhaufen • Kommentare geschlossen

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